Heute sehr früh aufgestanden, 6.30. Wir wollen heute über den Grenzübergang bei Raja Jooseppi, südöstlich von Ivalo, nach Russland. Hierzu hatten wir uns ja schon in mühevoller Kleinarbeit ein Visum besorgt, welches jetzt auch seine Aufgabe erfüllen soll. Nach dem Waschen schnell das dreckige Geschirr vom Vortag gespült. Uli ist jetzt auch schon auf und wir beschäftigen uns mit dem Frühstück. Hierzu vor allem Kaffee, sowie die eingekauften Eier kochen, damit wir für die nächsten Tage vorgesorgt haben. Ebenso wird nach dem Frühstück nochmals Kaffee für die Thermoskanne aufgesetzt. Wieder das Geschirr spülen und einpacken. Ebenso alles andere. Schlafsäcke rollen und Hütte aufräumen sowie säubern soweit es geht.
Als ich zur Toilette gehe sehe ich Jörg an der Rezeption sitzen und eine Tasse Kaffee trinken. Ich setze mich zu ihm und wir unterhalten uns über den heutigen Tag, was jeder so macht. Dann kommt auch noch Svantje hinzu, komplett, mit Auto, Kind(ern) und Kegel. Sie gibt den Schlüssel an der Rezeption ab und verabschiedet sich von uns. Ich lade Jörg noch zu uns ein, damit er sich ein frisch gekochtes Ei zu seinem Frühstück gönnen kann. Dann werden alle unsere Sachen im Wagen verstaut. Nachdem nun alles fertig ist und wir los könnten, gehen wir nochmals gemeinsam zu Jörg uns zu verabschieden. Dann Schlüssel an der Rezeption abgeben, alles Gute wünschen und ab gehts.
Beinahe hätten wir vergessen noch nach Inari reinzufahren um uns dort im Geschäft mit Gaskartuschen für den Gasbrenner einzudecken. Weiter nach Ivalo, dort abbiegen auf die Strasse nach Murmansk. Nach weiteren 50 Kilometern sind wir dann endlich an der finnisch/russischen Grenze. Die finnischen Grenzbeamten sitzen auf einer Bank draussen vor dem Gebäude in der Sonne. Wer Asterix auf Korsika kennt, vorallem die Szenen mit den alten Männern auf der Bank, kann sich einen Eindruck von der Szene machen. Wir gehen mit unseren Pässen rein. Der Finne sieht diese kurz durch und reicht sie uns wieder. Noch einer kurzer Blick eines anderen auf unser Gepäck im Wagen und die Schranke hebt sich. Es ist 12.30 finnischer Zeit.
Es sind ungefähr 300 Meter bis zur russischen Grenze. 1 Stunde später erreichen wir diese, also um 13.30. Nun gut, das war nur die Zeitumstellung, also keine Panik. Man winkt uns nach einem nett ausgetauschten drawstwutje (russ.: guten Tag) durch und müssen an einem Kontrollhäuschen anhalten, aussteigen und mit den Papieren hinein. Hier dürfen wir nach kurzer Unterweisung in das entsprechende Formular dieses auch ausfüllen. Das übliche wie Name, geboren warum, wo, Pass-Nr., von wo, nach wohin, Tag der Einreise, Tag der Abreise etc.. Nach kurzer Durchsicht ob wir auch alle Felder ausgefüllt haben, müssen müssen wir noch eine Kopie des Zettels ausfüllen. Kopie bedeutet, einen neuen Zettel ausfüllen. Danach müssen wir zu einem Schalter. Da ich der Fahrer des Wagens bin, bin ich auch zuerst dran. Er prüft den eben ausgefüllten Zettel und plötzlich wird sein Blick etwas trüber. Er nimmt den Telefonhörer zur Hand, wählt irgendeine Nummer und spricht dann irgendwas, wovon ich nur ein paarmal Werner höre, also meinen Rufnamen, und dann zeitlich etwas später meinen Rufnamen sowie meine anderen Vornamen. Ich erinnere mich, dass ich auf dem Zettel nur meinen Rufnamen angegeben habe, im Pass allerdings alle 3 Vornamen stehen. Ich erinnere mich ebenso, dass in meinem KFZ Schein nur die ersten beiden Vornamen stehen, der dritte nicht. Ohje, ohje, welch ein Durcheinander, glaube ich aus seinem Blick zu lesen.
Hier hat also nichts mehr seine geordnete Gültigkeit und seine Verzweiflung scheint zu wachsen. Mittlerweile gesellt sich ein anderer Beamter zu ihm. Beide tauschen sich aus. Der neu hinzugekommene verschwindet wieder. Endlich scheint er eine befriedigende Antwort aus dem Telefon erhalten zu haben. Man hört wie er den Hörer auflegt. Danach nur noch, mindestens gefühlte 100 Mal, Stempel drücken. Als er mit seiner Prozedur zu Ende ist, sehr wahrscheinlich er selbst auch, händigt er mir die Papiere aus.
Weiter geht es zum Zoll. Zumindest ich muß den Wagen deklarieren und noch so einiges anderes. Danach geht es mit dem Zollbeamten, der aber sehr verständnisvoll zu sein scheint, zum Wagen. Heckklappe öffnen ist angesagt. Er schaut kurz durch die offenen Fresskisten und öffnet den Karton mit den Eiern. Diese seien verboten meint er nur lapidar. Als er nichts weiter moniert, frage ich ihn was jetzt mit den Eiern geschehen soll. Daraufhin antwortet er nur ‘aufessen’ und schließt die Heckklappe wieder.
Endlich, nach einer Stunde Pass und Zollformalitäten, können wir die Kontrollstaion verlassen. Kurz hinter dem Gebäude erfasst uns die russische Realität. Der Fahrbahnbelag ändert sich von geteert auf 10 Meter breite Schotterpiste welche mit Schlaglöchern übersäät ist. Dieser Piste folgen wir für die nächsten 5-7 Kilometer bis wir an eine neue Kontrollstation gelangen. Die Fahrbahn ist mit einem Gitterzaun versperrt und davor hält ein Grenzbeamter mit MP Wache. Langsam nähern wir uns dem Posten, halten den Wagen an, Motor und das obligatorische Licht aus. Wiederum nach einem freundlichen ‘drawstwutje’ und Überreichung der Papiere verschwindet er in der Baracke wo er wohl mit der Grenzstation spricht und sich davon überzeugt dass wir auch bei denen durchgekommen sind. Hierbei frage ich mich wer wohl freiwillig über die ‘grüne’ Grenze kommen mag. Jedenfalls scheint alles in Ordnung zu sein. Wir bekommen unsere Papiere wieder und der Schlagbaum wird angehoben. Wir dürfen weiter.
Weiter bedeutet, weiter auf dieser Schlaglochpiste. Schneller als 40 geht es kaum, meistens langsamer. Dies geht so weiter auf rund 15-20 Kilometern. Wir fragen uns schon wie wir unsren Zeitplan einhalten können. Immerhin, so haben wir gelesen, ist der Grenzübertritt nur zwischen 7.00 und 21.00 möglich (bzw. 8-22 russ. Zeit). Endlich gibt es wieder eine geteerte Fahrbahn welche auch ganz passabel ist. Sogar mit Randbegrenzung, Mittelstreifen und Kilometerangaben, ausgehend von der Grenze. Nach weiteren 50 Kilometern kommen wir an den Abzweig auf den wir schon sehnsüchtig gewartet haben. Die Strasse rauf nach Nikel. Schließlich hatten wir nicht vor nach Murmansk zu fahren. Nachdem wir durch die letzten Kilometer fahrbahnmäßig sehr verwöhnt wurden, machten wir uns schon wieder Hoffnung darauf unsere Reiseziele in Russland einhalten zu können. Aber wie sagte mal jemand.. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Schilder haben Untertitel wie ‘Restauration’. Wenn man sich die Strasse ansieht fragt man sich allerdings was hier restauriert werden soll – ein Fahrweg der Steinzeitmenschen?
Also wieder Schlaglochpiste, dann wieder normale Fahrbahn, auch die Kombination, geteerte Fahrbahn mit vielen Schlaglöchern, ist sehr beliebt. 20 Kilometer vor Nikel scheint nun wirklich die Welt am Ende zu sein. Selbst Schlaglochpiste ist ein Euphemismus. Aber dann doch noch. Der sowjetische oder russische Reformgeist hat ein Einsehen, sehr wahrscheinlich hat sich Lenin persönlich über die Zustände beschwert, und wir befinden uns nun wieder auf einer geteerten Fahrbahn, dreispurig, wie man es von Frankreich her kennt.
Nikel ist schon von weitem aus zu erkennen. Die langen Rauchfahnen über der Stadt kündigen sie selbst an. Es ist ein unglaublicher Anblick. Riesige Abraumhalden, groß wie Berge, türmen sich hinter der Stadt auf. Zum Teil ist die Fabrik durch den von ihr ausgeströmten Smog gar nicht mehr zu erkennen. Die Schornsteine erscheinen uns wie riesige Fernsehtürme, allerdings ohne Aussichtsplattform. Was sollte man von ihnen auch, außer Einöde, erspähen.
Wir umfahren Nikel und weiter geht es Richtung Petschenga, das alte finnische Petsamo. Wir haben uns für eine Nebenstrecke entschieden und werden auch prompt von ihr belohnt. Wellig, buckelig und Schlagloch behaftet bietet sich diese unseren Pneus dar. Ich fühle sogar etwas mit dem Wagen. Immerhin hat er uns auf der bisherigen Reise treu gedient und begnügt sich auch weiterhin, trotz voll bepackt, mit ca. 5 Litern.
Petchenga begrüßt uns mit einem militärischen Wachposten, welcher neben der Strasse steht und wohl darauf achtet dass die vorbeifahrenden Autos auch wirklich die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhalten. Petchenga ist eine einzige große Kaserne, zumindest was wir so von der Hauptstrasse aus zu sehen bekommen. Immerhin ist dies hier als Grenzregion ausgewiesen und man ist angewiesen nicht von der Hauptstrasse abzuweichen. Am Ortseingang dann ein großer Kreisverkehr. Rechts davor ein Denkmal mit einem Panzer drauf. Etwas dahinter ein Denkmal mit irgendeiner Person als riesige Statue. Nun also am Kreisverkehr links vorbei Richtung Linnahameri, der alten Küstenstadt. Wieder fahren wir an Kasernen innerhalb Petchengas vorbei. Sogar einige Kolonnen von Wehrpflichtigen marschieren am Strassenrand. Aber auch viele neue westliche Fahrzeuge sind im Strassenbild sichtbar. Sicherlich die Fahrzeuge der Offiziere.
Nach ca. 5 Kilometern erreichen wir erneut einen Kontrollposten. Nach Vorlage unserer Pässe verweigert er uns den Zutritt bzw. die Weiterfahrt nach Liinahameri da dies Sperrgebiet sei. Wird sind zwar etwas enttäuscht, aber aufgrund unseres engen Zeitplans, sehen wir darüber hinweg und machen uns auf den Rückweg über Nikel und dann zum Grenzort Storskog und weiter nach Kirkenes.
Hinter Nikel gelangen wir an den ersten Grenzposten Richtung Norwegen. Wieder ist die Fahrbahn mit einem Eisengitter versperrt. Vor uns stehen noch zwei andere russische Fahrzeuge. Der Grenzposten macht hier ordentlich seinen Dienst. Auch wir sind bald an der Reihe und der Zaun wird geöffnet, sodass wir zur Grenze, und damit zur Hauptabfertigung, weiterkönnen. Diesmal haben wir weiterhin eine geteerte Strasse vor uns. Nach ca. 10 Kilometern erreichen wir die russische Grenzstation. Uns wird bedeutet den Wagen abzustellen und mit unseren Papieren ins Gebäude zu gehen. Drinnen wartet ein junger Grenzer. Ich gebe ihm die Papiere und er händigt mir ein schon bekanntes Formular aus, diesmal allerdings für die Ausreise. Wieder alles eintragen. Keine Waffen, kein spaltbares Material oder starke Drogen. Anscheinend geht hier alles glatt. Die Papiere werden abgestempelt und ich bekomme zusätzlich noch ein kleines Codekärtchen. Zusammen mit dem Grenzer geht es nun zum Fahrzeug. Ich soll die Heckklappe öffnen. Dann beginnt die Durchsuchung des Reisegepäcks bzw. der offenen Kisten. Eine nach der anderen wird durchsucht und anschließend auf der Strasse abgestellt. Als bis auf die Koffer nichts mehr im Wagen ist gibt er sich wohl zufrieden und bedeutet mir dass ich alles wieder einräumen dürfte. Alles ist nun wieder verstaut und Uli ist mit seiner Kontrolle auch fertig. Zusammen geht es dann im Wagen zum nächsten Zaun der nun entgültig Russland von Norwegen trennt. Am Gitter erwartet uns eine Grenzbeamtin. Diese hatte wohl die ganze Prozedur mit der Durchsuchung mitbekommen und setzt nun ein breites Lächeln ein um uns vielleicht doch noch einen netten Eindruck von Mütterchen Russland zu hinterlassen. Wir bedanken uns mit einem lauten ‘Spassiba’ und fahren die paar Meter weiter zur norwegischen Kontrollstation.
Alle Schranken unten, kein Grenzer zu sehen. Also wieder raus aus dem Wagen und rein ins Gebäude. Aber auch hier drinnen ist kein Mensch zu sehen. Selbst nach einem lauten ‘Hallo’ rufen passiert nichts. Verdutzt stehen wir nun hier und fragen uns wie es jetzt weitergehen soll. Doch da öffnet sich eine Tür und herein kommt ein norwegischer Grenzbeamter. Dieser geht nun zu seinem Amtssitz und bekommt von uns unsere Papiere ausgehändigt. Mit weit ausgebreiteten Armen beginnt er am Comupter irgendetwas einzuhacken. Nach einigen ist alles klar und wir dürfen wieder zum Wagen wo ein anderer Beamter auf uns wartet. Dieser geht nur einmal rund um den Wagen guckt kurz hinein und fragt mich nach Zigaretten und Tabak. Ich antworte ihm das wir nur ein Päckchen Zigaretten und 2 Päckchen Tabak bei uns hätten woraufhin er abwinkt und uns eine gute Reise wünscht. Die Schranke hebt sich zur Einreise nach Norwegen.
Geschafft, wir haben Russland überlebt und hinter uns gelassen. Nächste Station ist Kirkenes. Wir stellen den Wagen ab und sehen uns etwas um. Allerdings ist hier nicht mehr viel los. Es ist mittlerweile so 22.00. Uli besorgt uns am Geldautomaten noch ein paar norwegische Kronen. Danach geht es weiter. Eigentlich wollen wir irgendwo hinter Kirkenes campen. Doch der eine Campingplatz existiert gar nicht mehr, ein anderer hat seine Rezeption schon geschlossen. Außerdem liegt dieser direkt an der Strasse, kommt also für uns erst gar nicht in Frage. Weiter geht es zu einem weiteren, wobei dann die Beschilderung für diesen nicht mehr existiert und wir somit erstmal auf einem Rastplatz halt machen.
Wir trinken etwas Kaffee und essen ein paar Brote mit Käse und Tomaten, dazu unsere gekochten Eier. Nach dieser Stärkung beschließen wir in einem Rutsch weiter bis Gamvik zu fahren. Da die mitternächtliche Sonne scheint, es also fast so hell wie an einem schönen Sommerabend bei uns ist, ist die Weiterfahrt nicht weiter anstrengend und wir genießen die Schönheit der Landschaft.
Schlagwort: Russland
Visa abholen
Heute war der große Tag. Visa für Russland abholen. Am Abend zuvor hatte ich noch von Uli seine Vollmachtserklärung abgeholt um auch seinen Pass samt Visum abholen zu können. Laut Wetterbericht vom Vortag sollte es heute aus Strömen regnen. Pustekuchen. Nichts, njiet, nada. Umso besser. Trotzdem habe ich mich rechtzeitig auf die Bahn gemacht. Gegen 9.30 Uhr fuhr ich los. Noch schnell etwas getankt, da gerade der aktuelle Preis mal wieder auf 1,- EUR für Diesel gefallen war. Vor zwei Tagen habe ich den Wagen frisch aus der Werkstatt abgeholt. Richard und Harry haben ganze Arbeit geleistet. Der Wagen zieht ab wie ne Rakete. Großes, großes, sehr großes Lob für meine beiden Meister der Improvisationskunst. Auf der Autobahn auch nur mäßiger Verkehr. Also gutes vorankommen, allerdings mit gefühlten eintausend Baustellen. Und so war ich dann um 11.15 Uhr beim russischen Konsulat in Bonn/Bad Godesberg. Es waren sogar 2 Parkplätze auf dem Parkplatz frei. Einen belegte ich dann. Neben mir saß noch ein Mann in seinem Auto und ich befürchtete schon dass ich zu nah an seiner Seite geparkt hatte sodass er nicht aus diesem hinaus könnte. Kurzes gestikulieren mit der Hand und fragende Miene aufgesetzt. Von der anderen Seite ebenfalls kurzes Abwinken. Also alles klar. Ich stieg aus. Er stieg aus. Er meinte das Platz genug sei. Daraufhin unterhielten wir uns etwas. Es stellte sich heraus dass er Russe ist und schon seit einiger Zeit hier in Deutschland lebt. Ich erzählte Ihm von unserer Reise und fragte Ihn gleichzeitig nach irgendwelchen Problemen die wir bekommen könnten, oder worauf wir sonst so zu achten hätten. Auf alle Fälle sollten wir doch vorsichtig sein meinte er. Je nachdem an welche Leute man gerate könnte es doch Schwierigkeiten geben, selbst wenn die Leute hilfsbereit wären. Er war sehr skeptisch was seine Landsleute anbelangt – mit einem Wort – Abzocker, aber natürlich nicht alle. Langsam ging ich zu dem bereits bekannten Büdchen und genehmigte mir noch einen Kaffee bevor ich ins Konsulat ging. Man weiß ja nie wielange man dort “festgehalten” wird. Wieder hoch in den ersten Stock zum Schalter 17 (OKHO 17). Dort wartete bereits eine kleine Schlange von ca. 10 Leuten vor selbigem. Allerdings kam diese recht rasch voran bzw. reduzierte sich. Als nur noch einer vor mir dran war, im übrigen stand an diesem Schalter wieder derselbe Mensch wie letzte Woche, kam ein zweiter Beamter hinzu und nahm die Kartons mit den Pässen, welche neben dem Schalter standen, an sich und verwies auf Schalter 16. Also schnell rüber zum besagten Schalter. Ich händigte dem Beamten meinen Abholschein, sowie die Vollmacht aus. Daraufhin suchte er in beiden Kästen nach unseren Pässen. Aber endlich waren sie gefunden. Er nahm sie raus und reichte sie mir den Worten, diese nochmals zu überprüfen ob auch alle Einträge stimmen würden. Nichts leichter als das. War ja schließlich nur russisch was dort stand. Nach Überprüfung dass das auch wirklich unsere Pässe sind, bedeutete ich Ihm das von meiner Seite keine Einwände bestünden, woraufhin er nur nickte und ich somit entlassen war. Kaum zu glauben, innerhalb einer Viertelstunde war alles überstanden. So machte ich mich dann also wieder auf den Rückweg, erleichtert dass wir unsere Visa doch noch bekommen haben.
Visa für Russland
Russland sehen und sterben. Nun ja, ersteinmal muß man dort hinkommen können. Hierzu ist ein Visum notwendig, welches man im russischen Konsulat in Bonn (zumindest für NRW-Bürger) beantragen kann. Am besten informiert man sich vorab per Internet auf der Webpräsenz des Konsulats und hofft darauf dass die Informationen einigermaßen aktuell sind. Im Zweifelsfall schickt man eine Mail an selbiges und erhält sogar schnell (innerhalb von 2 Stunden) eine umfassende Antwort. Wichtig sind:
- Ein aktueller Pass, welcher auch noch nach Reiseende mindestens 6 Monate Gültigkeit haben sollte.
- Weiterhin eine Reisekrankenversicherung die auch akzeptiert wird. Hierzu findet man auf den Konsulatsseiten ein PDF Formular auf dem diese aufgelistet sind.
- Eine Kopie der Krankenversicherungs-Police.
- Ein Antragsformular für das Visum, ebenfalls als PDF von den Konsulatsseiten aus erhältlich. Hierzu wird ein weiteres Passfoto benötigt.
Dann muß man sich entscheiden welche Art von Visum man beantragen möchte:
- Business Visum
- Touristen Visum
- Transit Visum
Da wir nur innerhalb eines Tages durch Russland fahren wollten, entschieden wir uns für das Transitvisum. Kosten ca. 65,- EUR. Gesagt, getan. Also fuhren wir nach Bonn zum russischen Konsulat (Waldstr. 42). Laut Angaben auf den Konsulatsseiten sind die Öffnungszeiten zwischen 9 und 13 Uhr. Allerdings ist auch erwähnt das man schon möglichst früher (so 8.30) dasein sollte. Man fühlt sich also schon geistig etwas in Russland, soweit die Vorurteile. Natürlich waren wir auch rechtzeitig dort. Geöffnet wurde tatsächlich um 9.00 Uhr. Zwischenzeitlich hatten sich so an die 25 Leute versammelt. Dann wurde das Gittertor geöffnet. Ein stämmiger Mann, anscheinend Russe, da er nur russisch sprach, erzählte irgendetwas hielt dann inne, worauf sich einige Hände hoben. Danach fuhr er fort, und als das Wort Visum irgendwie zu hören war, meldeten wir uns auch. Uli wurde als erster gefilzt und gescannt und mußte seinen Koffer öffnen. Der nun sichtbare Laptop durfte nicht mit. Also zurück, den Laptop im Auto deponieren. Irgendwann später, nachdem sich einige andere dazwischengeschoben hatten, kam auch ich an die Reihe. Ich durfte dann mein Handy und das zur Erprobung mitgenommene GPS auch im Auto deponieren. Aber endlich waren wir drin. Kurz orientiert, rauf in den ersten Stock. Dort erwarteten uns vier Schalter, wovon einer schon mit Leuten belegt war und ein anderer mit Kisten voller Visumanträge verstellt war. Die Kisten gehörten wohl einem oder mehreren Reiseunternehmen. So standen wir dann erst mal da und überprüften nochmals unsere Unterlagen. Alles vorhanden. Uli bewegte sich dann zu einem der unbesetzten Schalter und schon tauchte ein Konsulatsbeamter auf. Daher nichts wie ran bevor er wieder weg war. Uli reichte Ihm seine Unterlagen und erläuterte sein Verlangen eines Transitvisum. Der Beamte schaute sehr skeptisch und verschwand dann mit den Unterlagen nach hinten zu einem Kollegen mit dem er sich besprach. Danach kam er zurück und sagte ‘Kein Transitvisum!’. Mmmh, ja, gut. Aber wieso? Nach Nachfrage weshalb und wieso erklärte er uns dass ein Transitvisum nur für die kürzeste Distanz gewährt werden kann. Da wir aber von Finnland über Russland nach Norwegen wollten, sei dies nicht die kürzeste Distanz, da Finnland und Norwegen ja eine gemeinsame Grenze hätten. Nun ja, geographisch gesehen wäre unsere Route allerdings die kürzeste Distanz gewesen, aber auf eine Diskussion hierüber wollten wir uns dann doch nicht einlassen. Im weiteren sagte er dass wir ein Touristenvisum beantragen müßten, wozu man dann aber wieder eine persönliche Einladung nachweisen muß und wir uns doch besser an ein Reisebüro wenden sollten. Anscheinend ist man in Russland noch nicht so auf Individualreisen eingestellt. Wir sahen uns schon auf der Rückreise nach Hause, als uns ein Mann, so in unserem Alter, freundlich ansprach. Er erklärte, dass er unser Anliegen mitgehört hätte und bot uns an die benötigten Unterlagen innerhalb einer halben Stunde zu beschaffen, für 30,- EUR pro Person. Da das Touristenvisum ohnehin nur 35,- EUR kostet, hörte sich das ganz verlockend an. Wir unterhielten uns noch etwas mit Ihm, und so erfuhren wir dass er eine Firma hat welche sich nur um Visaangelegenheiten kümmert und er hier täglich ist um irgendwelche Dinge zu klären und zu besorgen. Also gaben wir Ihm unsere Pässe und weg war er. Unterdessen gingen wir nach draussen, ausserhalb des Konsulats, und genehmigten uns jeder eine Tasse Kaffee an dem mobilen Büdchen welches dort stand. Nach besagter halben Stunde kam er wieder, mit unseren Pässen, den benötigten Unterlagen, sowie zwei neuen Visumanträgen. Er erklärte uns noch wie wir was auszufüllen hätten und dass unsere neue Einladung nach Russland (Reiseroute Murmansk, St. Petersburg) für einen ganzen Monat gilt. Nachdem wir die neuen Anträge ausgefüllt hatten, gingen wir wieder zum selben Schalter wo wieder derselbe Beamte war. Wortlos nahm er unsere neuen Antraäge entgegen, hakte diverse Einträge ab, und gab uns danach die Unterlagen mit einem Begleitzettel zurück. Diesen, so sagte er, müßten wir an der Kasse abstempeln lassen, als Beleg dafür, dass wir die Visagebühren beglichen haben. Also wieder raus aus dem Konsulat, 100 Meter weiter am Gitter entlang zum nächsten Eingang. Problemlos gelangten wir zur Kasse und konnten dort mit Kreditkarte bezahlen. Danach wieder raus – aber halt – plötzlich war der Ausgang zu. Auch am Eingang ging wohl nichts mehr. Dort standen auch schon einige Leute welche hinein wollten. Und unsere Schlange, Leute welche hinaus wollten, vergrößerte sich ebenfalls. Der zuständige Pförtner war nirgends zu sehen. Nach vielleicht 5 Minuten ertönte dann ein Summen, und nach etwas rütteln am Tor, öffnete sich dieses dann. Uff. Wir dachten schon…. Nun also zurück zum anderen Eingang, dort wieder scannen, hoch in den ersten Stock, zum Schalter. Unterlagen, sowie den Kassenbeleg, abgeben. Dann sagte uns der Beamte nur noch das wir nächste Woche Freitag zwischen 12.00 und 13.00 unsere Visa abholen könnten. Wir bedankten uns, verliessen das Konsulat, und machten uns auf den Heimweg.