10. Tag – Ruhetag am Inarisee

Sind die Nacht durchgefahren. Es wurde ja auch praktisch gar nicht dunkel. Ein herrlich rot leuchtender Himmel am Horizont verschönerte die nächtliche Fahrt. Irgendwann hinter Kirmisjärvi überquerten wir den nördlichen Polarkreis. Doch dann passierte es doch noch. Uli erzählte gerade von etlichen Touristen welche überhaupt keine Elche zu sehen bekamen und darüber traurig waren. Anstatt Togal, für diejenigen welche die Werbung noch aus der Jugend kennen, empfehle ich doch einfach des nachts auf Finnlands Straßen unterwegs zu sein. Wir hatten gleich mehrere solch plötzlicher Erlebnisse. Beeindruckend war auch folgendes. Wir hielten auf einer Bergkuppe an um den nächtlichen Himmel zu fotografieren, ganz gebannt nach vorne schauend.
Doch plötzlich hörten wir Geräusche hinter uns. Schnell einen Blick nach rückwärts. Da überquerte dann ganz seelenruhig eine komplette Rentierfamilie die Fahrbahn, keine 10 Meter hinter uns.
Um 2.45 erspähten wir dann den Sonnenaufgang welcher dann so gegen 3.00 morgens in voller Pracht über dem Horizont stand. Bin schon lange nicht mehr so früh auf gewesen um dieses Schauspiel zu erleben.
Weiter ging es dann nach Ivalo wo wir vor dem Ort eine kurze Pause einlegten um uns zu stärken. Kaffee aus der Thermoskanne, Brot, gekochtes Ei, estnischen Käse und die restlichen Tomaten, ebenfalls noch aus Estland. Nach diesem morgendlichen Mahl ging es dann weiter nach Inari. Dort sollten zwei Campingplätze sein. Um 5-6 Uhr morgens kamen wir an dem ersten an. Natürlich schlief alles und die Rezeption war auch zu. Also beschlossen wir uns auf einem der folgenden Parkplätze Richtung Inari niederzulassen. Uli nahm seinen Schlafsack und wollte sich draußen im grünen niederlassen. Ich war zu faul dazu und machte es mir auf dem Fahrersitz bequem so gut es ging. Ich glaub ich war schon fast eingeschlafen, als Uli wieder ins Auto kam. Anscheinend war es draußen doch zu kalt. Wie wir später aus der Zeitung erfuhren liegen die morgendlichen Temperaturen z.Zt. bei 3-5 Grad plus.
So gegen 10 Uhr wachten wir, leicht gerädert, auf. Schnell noch eine Tasse Kaffee getrunken, die obligatorische Morgenzigarette genossen und auf zum Campingplatz. Dieser liegt direkt am See und die Preise liegen so zwischen 14,- für zelten und 20 – 40,- für eine Hütte. Allerdings wollten wir uns auch noch den anderen Platz ansehen. Wieder ins Auto rein, ca. 2 Kilometer weiter fahren. Dieser Platz bot nur Hütten an, allerdings in der gleichen Preisklasse. Zwar auch am See gelegen aber auch direkt an der Hauptstrasse. Nichts für uns. Daher wählten wir den ersten Platz für uns aus, nachdem wir noch kurz im Tourist-Info vorbeigeschaut hatten um uns über das Wetter für die nächsten Tage zu erkundigen.
Trotz guter Wetteraussichten entschieden wir uns für die kleinste Hütte, aber auch diese besitzt schon eine Doppelkochplatte sowie Kühlschrank und Heizung. Nun ja, man gönnt sich ja sonst nichts. Haben so gut wie alles aus dem Auto ausgeladen um mal Inventur zu machen. Aber zuerst einen frischen, heißen Kaffee. Der Ministrand, ca. 2 Meter breit liegt keine 7 Meter vor der Hütte, daneben ein paar Bäume. Uli legt sich nach dem Nachtmarathon erstmal aufs Ohr und ich mache das gleiche am Strand nachdem ich durch das Seewasser gewatet bin.
Ca. 1,5 Stunde später wache ich auf, da die Sonne sich etwas verzogen hatte, und mir dadurch kalt wurde. Da Uli noch schlief und ich Ihn nicht wecken wollte, setzte ich mich in den Wagen und fuhr in den Ort um ein paar Sachen zu besorgen, wie Milch, Getränke und einen 11er Schlüssel um den Benzinkocher mal wieder auseinanderzunehmen. Anscheinend habe ich meinen 11er Schlüssel irgendwo liegengelassen. Als ich zurückkam wurde Uli wach und wir beschlossen uns etwas zu kochen. Es wurde ein köstliches Mahl mit Spätzle, Champignons, Tomaten, Zwiebeln und Thunfisch. Nach dem Essen wurde nochmals frischer Kaffee aufgesetzt.
Wir saßen also so da, schauten aus dem Fenster der Hütte und sahen wie sich 2er Kanu, mit einer Person darin, sich unserem Strandabschnitt näherte. Ein Mann stieg aus und versuchte sein Boot an Land zu ziehen, was wohl nicht so einfach war. Daher ging ich raus und bot Ihm meine Hilfe an, welche er auch dankend annahm. Ich zog vorne an einer Trageschlaufe und er drückte von hinten bis dass wir das Boot auf dem Sandstrand hatten. Er flachste etwas herum, in Deutsch, dass er vom See herkäme, was ja auch nicht zu übersehen war. Ich bot Ihm eine heiße Tasse Kaffee bei uns in der Hütte an. Er meinte ein Bier und eine Zigarette wären ihm viel lieber da er gerade 45 km paddeln hinter sich hätte. Also lud ich Ihn auf diese Vorgaben hin zu uns ein. Er bekam sein Bier, kalt, aus der Büchse. Zigaretten durften allerdings nicht in der Hütte geraucht werden, sodaß wir dann draußen zusammenstanden.
Jörg, so stellte er sich vor, kommt schon viele Jahre hier in den Norden um zu paddeln. Er erzählte etwas von seinen diversen Touren die er schon gemacht hatte. Nach dieser Konversation band er doch noch sein Boot am Baum fest um sich dann an der Rezeption für 2 Tage anzumelden.
Kaum war er weg bog auch schon Auto, in der Größe eines eines Fiat Panda, zur nächsten Hütte ein – Hamburger Kennzeichen. Uli ging mit Wäsche bepackt zur Waschbaracke, das Waschprogramm, 40 oder 60 Grad, zu je 4,- EUR. Ich spülte derweilen das Geschirr. Einige Zeit nachdem ich mit dem Spülen fertig war, ging ich raus zum Strand und sah Uli an der Nachbarhütte mit einer Frau stehen. Anscheinend die Hamburgerin. Nach einiger Zeit gesellte ich mich dann hinzu und wurde Svantje vorgestellt welche mit Ihren 2 Töchtern gerade von Gamvik, wohin wir ja auch noch wollen, zurückkam. Die Unterhaltung wurde länger. Svantje holte eine Weinflasche hervor welche wir dann mit der Zeit schnell leerten.
Als die Flasche ausgetrunken war erschien auch wieder Jörg um nun seinerseits uns eine Flasche Bier zu spendieren. Trinkend und Rauchend unterhielten wir uns nun zu viert über diverse erlebte Abenteuer.
Gegen 23.00 verabschiedeten wir uns voneinander sodass jeder auf seine Art die Mittsommernacht genießen konnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert